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 D-A-CH bei Unilever

Am Dienstag, den 4. September 2007 fand eine außerordentliche Plenarsitzung des Europa-Betriebsrats von Unilever (UEWC) in der Zentrale in Rotterdam statt. Diese war, unter anderem deshalb notwendig, da der UEWC-Vorsitzende das Management der Lüge bezichtigt hatte! (Siehe dazu auch meine Stellungnahme zur Präsentation der HJ-Ergebnisse) Außerdem forderten viele UEWC Delegierte eine Erklärung des Managements zu den Ankündigungen vom 2. August im Rahmen einer Sitzung.

Im Einleitungsstatement unseres Europa-Präsidenten Kees van der Graaf, betonte dieser die Wichtigkeit des offenen Dialogs mit den Betriebsräten, forderte mehrfach Vertrauen für den eingeschlagenen Weg und sagte schlussendlich wörtlich: "Ich fühle mich verpflichtet, den Delegierten detaillierte Erklärungen zu geben, wo ich sie geben KANN!"

UEWC-Vorsitzender Günter Baltes forderte "endlich Klarheit für Europa" in Form von vier konkreten Fragen plus jeweils konkreter Zeitpläne:
1. Auswirkungen auf die MSO's in EU
2. Auswirkungen auf die Fabriken in EU
3. Auswirkungen auf die Marketing- und Entwicklungs-Zentren in EU
4. Welche Marken sind von den geplanten Verkäufen betroffen

Die daran anschließenden Präsentationen (lt. Tagesordnung) haben wenig Neues und nichts Konkretes gebracht!
Howard Green hat uns erklärt, dass Unilever seit seinem Bestehen noch nie so wenig konkurrenzfähig war - wenn nicht die Restrukturierung noch schneller und noch stärker umgesetzt wird.
Anthonie Stal präsentierte gemeinsam mit Peter Ernsting wie das gehen wird:
→ Unilever trennt sich von allen Marken, die es glaubt nicht mehr zu brauchen (geplanter Umsatzverlust 8% !!!)
→ Unilever wird in EU 10 - 12.000 Mitarbeiter abbauen
→ Unilever wird in EU um 20 - 25 Fabriken reduzieren (hoffentlich verkaufen) 
→ Unilever wird das Personal in der Zentrale in Rotterdam reduzieren
→ Unilever wird weitere Cluster = Multi Country Organisations (DACH und UK+Irland) bilden
→ Unilever wird in Osteuropa Firmen kaufen
und glaubt, mit diesen Maßnahmen die indirekten Kosten von 17,1% auf 11% oder 12% oder 12,5% zu reduzieren (die unterschiedlichen Angaben resultieren daraus, je nachdem WER - WANN -WAS präsentiert).

In der anschließende "Fragestunde" habe ich - unter anderem - vereinfacht dargestellt, gefragt: "Was passiert in diesem Zusammenhang mit foodsolutions?" Ebenso simplifiziert, bekam ich zur Antwort: "Nichts!"
Die Kollegen bei foodsolutions wissen es bereits, den anderen sei es hiermit mitgeteilt: foodsolutions wird genauso geclustert (DACH) wie das Retail-Geschäft, nur noch früher (ab 1.1.2008) UND noch dazu definitiven unter der Führung von Deutschland.
Das hat mich zu folgender Mail veranlasst:
  (zum Vergrößern d'raufklicken)

Wesentlich ist auch die Stellungnahme des Europa-Betriebsrats, nicht nur zu dieser Sitzung sondern auch zu dieser ganzen Situation. 
Die wesentlichen Punkte sinngemäß ins Deutsche übertragen:

Der UEWC hat bereits im Vorfeld der Sitzung Klarheit eingemahnt, jedoch auch danach bleiben die meisten Beschäftigten im Dunklen.
Die laufenden und neuen Projekte werden in Europa 10.000 bis 12.000 Arbeitsplätze kosten.
Neben der Clusterbildung "BeNeLux" wird auch in Deutschland, Österreich und Schweiz sowie in Großbritannien und Irland ein solcher gebildet. Die personellen Auswirkungen in den betroffenen Ländern sind derzeit unklar.
Entscheidungen welche Fabriken und MSO's betroffen sind, wird es Ende des Jahres geben, ebenso Stellungnahmen des Managements.
Nun ist klar geworden, dass niemand in diesem Unternehmen sicher sein kann, auch morgen noch einen Job zu haben. Heute trifft es die Fabrik in X - morgen die Zentrale in Y.
All die Jahre haben wir gefordert, die Arbeitsplätze in allen Bereichen von Unilever durch nachhaltiges Wachstum und wenn notwendig durch Akquisitionen abzusichern. Das Gegenteil ist der Fall. Unilever schrumpft und wer schrumpft kann nicht wachsen. Tausende Arbeitsplätze wurden dadurch in den letzten 10 Jahren vernichtet.

Die Arbeitnehmervertreter weisen diesen Weg kategorisch zurück, sie erachten ihn als fundamental falsch!
Daher bestehen die Arbeitnehmervertreter weiter auf folgenden Forderungen:

   ◊ Keine Kündigungen 
   ◊ Keine Fabriksschließungen! Verkauf geht vor Schließung!
   ◊  Ein klares, nachvollziehbares Programm für nachhaltiges Wachstum und dem eindeutigen Bekenntnis, dass die Sicherung der Arbeitplätze den gleichen Stellenwert hat, wie das Erreichen der finanziellen Ziele

Die Arbeitnehmervertreter sind nur bereit ein gemeinsames, sozial verträgliches Programm für Europa zu entwickeln, wenn diese Punkte erfüllt sind.

Ich kann und will dem nichts mehr hinzufügen
Ihr Betriebsrat
W.Svab